Quartiersarbeit

Woher kommt der Name Brühl-Beurbarung?

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Unser Stadtteil ist im Gegensatz zu den ehemaligen Dörfern Wiehre oder Herdern noch relativ jung. Er hat keinen gewachsenen Dorfkern, sondern verdankt seine Entstehung der Beurbarungsgesellschaft, die bereits 1790 gegründet wurde.

Diese Genossenschaft kümmerte sich um die Urbarmachung von brachliegendem Gelände, das das damalige Freiburg umgab. Die wirtschaftliche Nutzung der neugewonnen Ackerflächen brachte hohe Erträge, die die Gesellschaft für wohltätige Zwecke einsetzte. Als immer mehr günstiger Wohnraum für die wachsende Bevölkerung benötigt wurde, baute die Beurbarungsgesellschaft auf den Ackerflächen zwischen Hauptfriedhof und Bahnlinie eine Arbeitersiedlung, die „Beurbarung“. Die ersten Häuser entstanden in der Beurbarungsstraße, 1887 konnten dort die Wohnungen bezogen werden. 1899 wurde der Tennenbacher Platz angelegt, die „roten Häuser“ wurden in den 1920er Jahren fertiggestellt. Nördlich der Beurbarung schließt sich der Bezirk Brühl an. Brühl ist ein Gewannname, der aus dem mittelhochdeutschen kommt und „Sumpf, feuchte Wiese“ bedeutet. Die Entwicklung zum Gewerbegebiet und späterem Industriegebiet begann 1905 mit dem Bau des Güterbahnhofs.

Ergänzungen (aus BVB Broschüre 2012):

„Ein großer Teil Brühls mit dem heutigen Industriegebiet Nord, dem Flughafen und der Neuen Messe entstand ab 1905 auf dem ehemals „sumpfigen Gelände“. Die Beurbarung zwischen Friedhofstraße, Rennweg und Bahnlinie wurde dagegen im 19. Jahrhundert als Arbeitersiedlung angelegt und hatihren Namen von der „Bürgerlichen Beurbarungsgesellschaft“. Mit diesem historisch gewachsenen Stadtteil ist der Bauverein in ganz besonderer Weise verbunden. In der Emmendinger Straße 16-34 realisierte die junge Genossenschaft 1905 ihr erstes Neubauprojekt. Es umfasste zehn Stockwerkshäuser und 93 Mietwohnungen – für die damalige Zeit eine beeindruckende Leistung. Bis in die 50er-Jahre hinein schuf der Bauverein noch etwa 200 weitere Wohnungen im Viertel. In den 20er Jahren entstanden die Einfamilienhäuser in der Lortzingstraße 10-28, die 1999 stilgetreu saniert wurden, sowie die drei Geschosswohngebäude in der Friedhofstraße 35-39. 2004 wurden diese durch moderne Wohnhäuser mit Zwei-, Drei- und Viereinhalb-Zimmer-Wohnungen ersetzt. Bewusst verwendete man hier architektonische Stilelemente wie die Biberschwanzdachziegel, um den Stil der 20er Jahre nachzuempfinden.“

Ergänzungen aus BZ-Stadtteilcheck 2013:

Die Farbe Rot hat im Stadtteil Brühl-Beurbarung besondere Bedeutung: Rot leuchten am zentralen Platz des Doppelstadtteils die halbrunden Wohnblocks, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind. Und die Kandelstraße, die an der Bahntrasse entlang verläuft und Brühl-Beurbarung im Osten begrenzt, galt lange als Freiburgs „Rotlichtmilieu“. Das ist Vergangenheit. Die Blocks, gerne auch als „Drittes Barock“ bezeichnet, sind begehrte Wohnlage. Erst recht, seit sie saniert und modernisiert worden sind. „Brühl-Beurbarung? Sagt mir nix“. So wie Passantin Ingrid Müller geht es vielen Freiburgern. Sie ordnen den Stadtteil mal Zähringen, mal Herdern, mal dem Stühlinger zu. Doch die liegen im Norden, Osten und Süden. Die Wohnblocks erzählen von einer Zeit, in der sich Freiburg in Richtung Nordwesten entwickelte. Aber auch davon, dass Wohnungen nicht allein um des Profits willen gebaut wurden. Im späten 19. Jahrhundert begann die „Bürgerliche Beurbarungsgesellschaft“, das Sumpfland um den Hauptfriedhof zu bebauen. Dazu musste das Gelände erst einmal urbar – daher der Name – gemacht werden. Gegründet worden war die Gesellschaft von Handwerkszünften, weil die stark wachsende Stadt Platz zum Wohnen und Arbeiten brauchte. Eröffnen sich von der Hanglage Herderns oder Zähringens Ausblicke, sind es in der Beurbarung Einblicke. Einblicke in großzügige Innenhöfe, die begrünt, zum Teil mit kleinen Gärtchen, mit Spielmöglichkeiten, alten Bäumen. Wolfram Benkler, Besitzer der Konrads-Apotheke an der Emmendinger Straße, arbeitet in der „Burg“, die als erstes von den Siedlungshäusern gebaut wurde. „Von hinten hat das Haus noch den Charakter einer mittelalterlichen Burg“, erzählt er. Ein großer Teil aber fiel einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Dennoch ist die reiche Formensprache zu sehen, die die Architekten verwendet haben. Inspirieren ließen sie sich wohl von den geschleiften Vaubanschen Festungsanlagen, die sich an dieser Stelle befunden haben. „Fast jeder kennt sich, man hilft sich gegenseitig“, erzählt Apotheker Benkler. Vor 33 Jahren hat er seine Pharmazie hier an der Emmendinger Straße eröffnet. „Damals gab’s allein hier je zwei Bäckereien und Metzgereien, ein Schreibwaren und ein Lebensmittelgeschäft und sogar einen Laden für Molkereiprodukte.“ Die Leute gingen in die Emmendinger Straße, um einzukaufen – auch wenn sie gar nicht im Stadtteil wohnten. Übrig geblieben ist die 1904 gegründete Metzgerei Möhrle, wo Metzgermeister Gerd Möhrle in vierter Generation sein Handwerk betreibt. Nebenan hat eine Filiale der Bäckerei Barleon eröffnet, außerdem gibt es am Tennenbacher Platz bei Stadtteiltreff und Seniorenwohnanlage das „Brunnenlädele“ mit Stehcafé und Backshop. Ansonsten konzentriert sich die Infrastruktur eher auf den Stadtteil-Teil Brühl. Es sind die „kleinen Leute“, die in diesem Viertel leben, nicht wenige Familien wohnen seit Generationen in einem der Häuser von Bauverein, Familienheim oder Stadtbau. Manche Gebäude gehören auch dem städtischen Liegenschaftsamt. Und die haben dem inzwischen verstorbenen langjährigen Vorsitzenden des Bürgervereins, Erwin Schlehhuber, Kummer gemacht. „Seit Jahrzehnten wurde da nichts mehr investiert. Wer will da einziehen?“, klagte er 2011. Er hätte gerne mehr junge Familien in den Stadtteil ziehen sehen. Spannende Einblicke eröffnen sich noch im verwunschenen Quartier rund um Endinger- und Lagerhallenstraße, das nun vor einem großen Umbruch steht: Das gesamte ehemalige Güterbahngelände wird neu gestaltet – ein Neubaugebiet entsteht, ein Mix aus Gewerbe und Wohnen. Und auch die B3, die bislang vom Norden in die Stadt führte, soll neue Fahrbahnen stadtauswärts erhalten und so den Nachbarstadtteil Zähringen vom Verkehr entlasten. Richtung Westen liegt das Industriegebiet Nord mit dem Messege- lände, das mit großen Verbraucherausstellungen und Fernsehshows die Massen lockt. Auch das gehört zu Brühl-Beurbarung. Ein Ruhepunkt hingegen ist Freiburgs Hauptfriedhof, der mit 24 Hektar gut doppelt so groß ist wie das Quartier Beurbarung davor. Alte Bäume und prächtige Bürgerhäuser säumen die Tennenbacher Straße, die zum Friedhof führt – heute beherbergen sie mehrere Bestattungsunternehmen sowie das traditionsreiche Blumenhaus Pleuger, dessen Besitzerin Martina Pleuger sich für den Friedhof als kulturhistorisches Erbe engagiert. Ein Stück Richtung Norden, an der Grenze zum Wohngebiet Brühl, steht am Rennweg die 1929 erbaute St. Konradskirche: Sie war die erste Kirche Deutschlands mit Spannbetondecke. Die Komturstraße hinunter säumen links Wohnhäuser den Weg, die früher die Eisenbahner und Fuhrleute vom nahen Güterbahnhof bewohnten. Rechts sind auf dem ehemaligen Straßenbahndepot Mehrfamilienhäuser entstanden – dicht an dicht.

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